„Chlor ist giftig, aber Chlor ist überall! Die Industrie will uns vergif…“
„Lass mich doch ausreden.“
Da habe ich praktisch einen ganzen Eintrag damit verbracht, die Gefährlichkeit eines Stoffes hervorzuheben. Wenn Chlor also so giftig ist, warum wird es dann dennoch jährlich im Millionen Tonnenmaßstab hergestellt? Wenn es biologisch so nutzlos ist, warum ist es so gefragt?
Das sind interessante Fragen und sie sind recht leicht zu beantworten. Chlor ist eine Grundchemikalie. Das heißt, sie wird in vielerlei Hinsicht weiterverarbeitet. Dabei muss das Ergebnis nicht unbedingt Chlor enthalten oder es enthält Chlor so, dass es nicht mehr freiwerden kann.
Ein Teil wird dafür benötigt wichtige organische Grundchemikalien zu erstellen. Es ist eine Besonderheit der Chemie, dass man aus im Grunde sehr wenigen und kleinen Molekülen Millionen Verbindungen herstellen kann, darunter auch welche, die später wichtige und kompliziert aufgebaute Medikamente werden. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das Chlor schon längst raus. Überhaupt müssen bei Medikamenten viele wichtige Kriterien beachtet werden, bevor es zum ersten Mal in den Körper eines Menschen gelangen darf. Das sind Konsequenzen, die man aus Fällen wie Contergan gelernt hat (das hatte allerdings nichts mit Chlor zu tun).
Der größte Teil des Chlors wird für die Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) gebraucht, einem Kunststoff, den wir aus unserem Leben gar nicht mehr wegdenken können. Aus PVC kann man Bodenbeläge machen oder Abwasser- und Belüftungsrohre oder Schläuche und vor der Erfindung der CD machte man daraus Schallplatten.[1] In letzter Zeit steht aber auch PVC in Kritik. Dabei ist das PVC selbst nicht gesundheitsschädlich. Die meisten Kunststoffe können vom Körper gar nicht aufgenommen werden und stellen damit kein Risiko dar. Was in PVC solchen Ärger verursacht sind einige Weichmacher, und hier sind schon einige Verbote auf dem Weg.
Das Chlor als Gas hat aber auch ein sehr bekanntes Anwendungsgebiet: die Desinfektion im Schwimmbad. Chlor ist ein Biozid und hält so das Schwimmbad frei von Bakterien. Es liegt nicht als Gas vor, sonst würde Schwimmbadwasser blubbern. Das Chlor reagiert im Wasser zu hypochloriger Säure (HOCl) und Chlorid (Cl-):
Hypochlorige Säure hat noch immer dieselbe Wirkung wie Chlor, da es auch nicht gerade stabil ist, ist aber in dieser Konzentration nicht wirklich gefährlich. Es kann jedoch zu Reizungen an der Haut führen.
Auch in den gängigen Abflussreinigern steckt oft unter anderem eine kleine Menge einer Chlorverbindung, das Natriumhypochlorit (NaOCl).[2] Natriumhypochlorit ist das Salz der hypochlorigen Säure. Salze sind Verbindungen aus positiven und negativen Teilchen, den Ionen (nicht mit den positiven und negativen Elementarteilchen Protonen und Elektronen verwechseln). Natriumhypochlorit wird neben Chlor ebenfalls zum Desinfizieren in Schwimmbädern verwendet und kann in Abflussreinigern zum Zerfall des Schmutzes beitragen. Abflussreiniger haben jedoch einen großen Nachteil: Natriumhypochlorit bildet mit Säuren gasförmiges Chlor aus[2]:
Deswegen steht auch auf den Flaschen immer drauf, dass man niemals andere Reiniger in Kombination verwenden soll, da viele andere Reiniger Säuren enthalten (zum Beispiel Essigsäure).
Solange man aber aufpasst und immer brav die Anweisungen auf der Flasche liest, kann nichts viel passieren. An diesen Beispielen kann man etwas sehen, was die Chemie und den Umgang mit ihr ausmacht: Man darf keine Angst davor haben, aber Respekt muss schon sein. Wenn man weiß, wie man sie zu handhaben hat, entfalten sich Möglichkeiten, die uns nicht nur das Leben erleichtern sondern auch verbessern können.
sonstige Quellen:
[1]M. Binnewies, M. Jäckel, H. Willner, Allgemeine und Anorganische Chemie, 1. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2004, Seite 558
[2]F.-X. Reichl, Taschenatlas der Toxikologie, 2. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2002, Seite 230 und 231
„Lass mich doch ausreden.“
Da habe ich praktisch einen ganzen Eintrag damit verbracht, die Gefährlichkeit eines Stoffes hervorzuheben. Wenn Chlor also so giftig ist, warum wird es dann dennoch jährlich im Millionen Tonnenmaßstab hergestellt? Wenn es biologisch so nutzlos ist, warum ist es so gefragt?
Das sind interessante Fragen und sie sind recht leicht zu beantworten. Chlor ist eine Grundchemikalie. Das heißt, sie wird in vielerlei Hinsicht weiterverarbeitet. Dabei muss das Ergebnis nicht unbedingt Chlor enthalten oder es enthält Chlor so, dass es nicht mehr freiwerden kann.
Ein Teil wird dafür benötigt wichtige organische Grundchemikalien zu erstellen. Es ist eine Besonderheit der Chemie, dass man aus im Grunde sehr wenigen und kleinen Molekülen Millionen Verbindungen herstellen kann, darunter auch welche, die später wichtige und kompliziert aufgebaute Medikamente werden. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das Chlor schon längst raus. Überhaupt müssen bei Medikamenten viele wichtige Kriterien beachtet werden, bevor es zum ersten Mal in den Körper eines Menschen gelangen darf. Das sind Konsequenzen, die man aus Fällen wie Contergan gelernt hat (das hatte allerdings nichts mit Chlor zu tun).
Der größte Teil des Chlors wird für die Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) gebraucht, einem Kunststoff, den wir aus unserem Leben gar nicht mehr wegdenken können. Aus PVC kann man Bodenbeläge machen oder Abwasser- und Belüftungsrohre oder Schläuche und vor der Erfindung der CD machte man daraus Schallplatten.[1] In letzter Zeit steht aber auch PVC in Kritik. Dabei ist das PVC selbst nicht gesundheitsschädlich. Die meisten Kunststoffe können vom Körper gar nicht aufgenommen werden und stellen damit kein Risiko dar. Was in PVC solchen Ärger verursacht sind einige Weichmacher, und hier sind schon einige Verbote auf dem Weg.
Das Chlor als Gas hat aber auch ein sehr bekanntes Anwendungsgebiet: die Desinfektion im Schwimmbad. Chlor ist ein Biozid und hält so das Schwimmbad frei von Bakterien. Es liegt nicht als Gas vor, sonst würde Schwimmbadwasser blubbern. Das Chlor reagiert im Wasser zu hypochloriger Säure (HOCl) und Chlorid (Cl-):Cl2 + H2O → HOCl + Cl- + H+
Hypochlorige Säure hat noch immer dieselbe Wirkung wie Chlor, da es auch nicht gerade stabil ist, ist aber in dieser Konzentration nicht wirklich gefährlich. Es kann jedoch zu Reizungen an der Haut führen.
Auch in den gängigen Abflussreinigern steckt oft unter anderem eine kleine Menge einer Chlorverbindung, das Natriumhypochlorit (NaOCl).[2] Natriumhypochlorit ist das Salz der hypochlorigen Säure. Salze sind Verbindungen aus positiven und negativen Teilchen, den Ionen (nicht mit den positiven und negativen Elementarteilchen Protonen und Elektronen verwechseln). Natriumhypochlorit wird neben Chlor ebenfalls zum Desinfizieren in Schwimmbädern verwendet und kann in Abflussreinigern zum Zerfall des Schmutzes beitragen. Abflussreiniger haben jedoch einen großen Nachteil: Natriumhypochlorit bildet mit Säuren gasförmiges Chlor aus[2]:NaOCl + NaCl + 2 H+ → Cl2 + 2 Na+ + H2O
Deswegen steht auch auf den Flaschen immer drauf, dass man niemals andere Reiniger in Kombination verwenden soll, da viele andere Reiniger Säuren enthalten (zum Beispiel Essigsäure).
Solange man aber aufpasst und immer brav die Anweisungen auf der Flasche liest, kann nichts viel passieren. An diesen Beispielen kann man etwas sehen, was die Chemie und den Umgang mit ihr ausmacht: Man darf keine Angst davor haben, aber Respekt muss schon sein. Wenn man weiß, wie man sie zu handhaben hat, entfalten sich Möglichkeiten, die uns nicht nur das Leben erleichtern sondern auch verbessern können.
sonstige Quellen:
[1]M. Binnewies, M. Jäckel, H. Willner, Allgemeine und Anorganische Chemie, 1. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2004, Seite 558
[2]F.-X. Reichl, Taschenatlas der Toxikologie, 2. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2002, Seite 230 und 231
Das ist eine Echt coole Seite :P
AntwortenLöschenEcht Viele Information auch wenn die nicht wirklich hilfreích sind!
AntwortenLöschenPs:Der Anfang ist echt Scheiße !
Die Seite ist voll cool mit bildern
AntwortenLöschenKam hier der Spambot vorbei? ;-)
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