26. März 2010

Rauchen gefährdet die Gesundheit

„Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich rauche?“
„Ja.“

Ich mag Rauchen nicht. Wenn es nur der Qualm wäre, dann wäre es mir egal , aber ich finde, es stinkt. Am schlimmsten ist es, wenn es Rauchern egal ist, ob es die Menschen in ihrer Umgebung stört. Es wäre höflich, wenigstens vorher zu fragen, ob man die Luft mit giftigen Substanzen anreichern darf. Zu allem Unmut kam jetzt neuerdings heraus, dass ein Raucher nicht unbedingt gerade neben einem stehen und rauchen muss, um die Umgebung zu vergiften. Es reicht, wenn er es einmal in einer Wohnung oder im Auto getan hat oder wenn man ihm die Hand gibt. Wie das?
Dieser Effekt wird als „Dritthandrauchen“ bezeichnet. Während Passivrauchen davon ausgeht, dass der Rauch von einem Nichtraucher eingeatmet wird und er so die Schadstoffe abbekommt, wird hier die Umgebung des Rauchers (und auch der Raucher selbst) zur Schadstoffquelle. Grund ist eine chemische Reaktion des Nikotins mit Salpetriger Säure (HNO2).[1] Nikotin lagert sich schnell an Wänden, Gardinen, Kleidung aber auch auf der Haut ab. Es setzt sich auf der Oberfläche fest, reagiert aber nicht mit ihr. Doch Nikotin ist nicht die einzige Verbindung, die so etwas kann. Auch Salpetrige Säure ist dazu in der Lage. Wenn die beiden miteinander reagieren, entstehen sogenannte Nitrosamine, welche krebserregend wirken.

Bild Nikotin reagiert bei Anwesenheit von Salpetriger Säure zu Nitrosaminen (hier nur eines gezeigt).[2] Die Gleichung ist unausgeglichen.

Wo kommt die Salpetrige Säure her? Salpetrige Säure schwirrt zwar auch die Gegend, aber nicht in solchen Mengen. Was aber in vergleichbar großen Mengen durch die Luft schwirrt sind Stickoxide. Das sind Verbindungen aus Stockstoff (N2) und Sauerstoff (O2). Von denen gibt es eine ganze Menge. So können zum Beispiel ein Stickstoffatom und ein Sauerstoffatom ein Stickoxid bilden, das Stickstoffmonooxid (NO), oder auch ein Stickstoffatom und zwei Sauerstoffatome, das Stickstoffdioxid (NO2). Es gibt noch mehr, aber diese sind hier die direkten Ausgangssubstanzen. Sie werden genau wie das Nikotin aus der Luft an die Wand (oder Kleidung oder Haut) adsorbiert also angereichert. Zusammen mit Wasser, welches in der Luft vorhanden ist, reagieren sie dann zur Salpetrigen Säure.

NO + NO2 + H2O → 2 HNO2

Die Stickoxide sind aber kein genereller Bestandteil von Luft. Ihre Hauptquelle sind Autoabgase und – jetzt kommt’s – der Tabakrauch selbst.[3]

Im Grunde genommen geht man schon lange davon aus, dass Nitrosamine für den Raucherkrebs verantwortlich sind. Was an dieser Geschichte wirklich neu ist, ist dass sich diese Substanzen nicht nur in der Zigarette und im Rauch bilden, sondern eben auch durch einen kleinen Umweg auf Oberflächen, die nicht mehr nur dem Raucher und dem Passivraucher zugänglich sind.


sonstige Quellen:
[1]M. Sleiman, et. al., Formation of carcinogens indoors by surface-mediated reactions of nicotine with nitrous acid, leading to potential thirdhand smoke hazards, PNAS 2010, online veröffentlicht: http://www.pnas.org/content/early/2010/02/04/0912820107
[2]Grafik erstellt mit ChemSketch
[3]F.-X. Reichl, Taschenatlas der Toxikologie, 2. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2002, Seite 130

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