4. Juli 2010

Quecksilber - flüssig, faszinierend, verboten?

„Ahhh, Quecksilber. Voll fies und giftig und so. Und ist überall drin. Und so.“

Wie versprochen, heute mal was über Quecksilber. Und wieso ausgerechnet jetzt? Na, weil’s in den Nachrichten war. Vom 7. bis zum 11. Juni 2010 trafen sich in Stockholm ein paar Experten um ein wenig über Quecksilber zu reden - klangvoll als „Quecksilberkonferenz“ bezeichnet. Dass sie sich getroffen haben, hatte einen guten Grund: Februar 2009 war die weltweite Umweltministerkonferenz abgehalten worden. Da haben sich die Teilnehmer darauf geeinigt, dass die Verwendung und Freisetzung von Quecksilber verboten werden muss.


Bild 1 Quecksilber. (Wikipedia, cc-by)

Prinzipiell ist dagegen rein gar nichts einzuwenden. Quecksilber gehört zu den eher giftigen Substanzen, da es (neben der sehr faszinierenden Eigenschaft, bei Raumtemperatur flüssig zu sein) einen hohen Dampfdruck hat - zumindest für ein Metall. Mit anderen Worten, ein Tropfen Quecksilber liegt nicht nur als Tropfen vor, sondern auch in der Luft um uns herum, die wir einatmen. Das wäre nicht so tragisch (als ob Wasser sowas nicht täte), wenn Quecksilber selbst in kleinen Mengen nicht solche verheerenden Wirkungen auf Organsimen zeigen würde.

Es gibt drei Arten, wie Quecksilber vorliegen kann: Metallisch (also als einzelnes Atom in der Gasphase), als Salz (also in Verbindung mit Nichtmetallen wie Sauerstoff oder Schwefel) und als Organoquecksilber (als Verbindung mit organischen Molekülen, welche sich vom Kohlenstoff ableiten). Jedes davon hat einen eigenen Grad an Giftigkeit für uns. Genau genommen gibt es sogar ungiftige Quecksilberverbindungen. Zum Beispiel das Zinnober, eine Verbindung des Quecksilbers mit Schwefel, HgS, welches früher als roter Farbstoff im Aquarellfarbkasten verwendet wurde. Es wandert im Grunde ohne jede Veränderung durch den Körper und wird wieder ausgeschieden (das ist jetzt keine Aufforderung, das rote Farbtöpfchen abzuschlecken). Aber es gibt auch giftige Salze, zum Beispiel Kalomel. Das ist eine Verbindung des Quecksilbers mit Chlor. Quecksilbersalze wirken sich hauptsächlich auf die Nieren aus, setzen sich da ab und zerstören diese von dort aus. Metallisches Quecksilber, das zum Beispiel als Dampf durch die Atmung in den Körper gelangt, wird von körpereigenen Enzymen angegriffen und verliert ein paar Elektronen. Geladen kann es nun mit den organischen Molekülen im Körper interagieren (was Quecksilber ganz besonders toll kann, andere Metalle sind da etwas wählerischer), findet seinen Platz schließlich im Gehirn und wirkt von dort aus auf das Zentrale Nervensystem. Das Organoquecksilber ist das giftigste hiervon. Schon winzigste Mengen setzen sich im Hirn ab. Wenn man öfter in Kontakt kommt, verteilt es sich irgendwann über den ganzen Körper, was man nur schwer wieder herausbekommt.

Quecksilber kommt in unserer Umgebung relativ häufig vor, auch wenn es ein ziemlich seltenes Element ist. Es findet auch viel Einsatz. Weltweit nutzt man eine sehr elegante Eigenschaft des Quecksilbers zu Gold- und Silbergewinnung: Quecksilber verbindet sich bei Raumtemperatur mit diesen festen Edelmetallen und da diese in kleinsten Konzentrationen vorliegen, ist die entstehende Legierung („Amalgam“) nach wie vor flüssig. Man muss sie also nur noch abtrennen, dann erwärmt man das Ganze und das Quecksilber geht dampfförmig aus der Legierung raus. Zurück bleib reines Gold (oder Silber, je nachdem, was man gerade da hatte). Es gibt nur einen, sagen wir, monstergroßen Hacken an der Sache: All das Quecksilber wird nicht irgendwo aufgefangen und wieder verwertet, sondern einfach in die Umwelt entlassen. Und dass es in der Umwelt nicht gerade die tollsten Sachen anstellt, weiß man schon seit einer Weile. Der Amazonas ist (nicht nur, aber auch) wegen der Goldgewinnung heute ein einziges großes Dreckloch. Das ist vor allen Dingen deshalb so erschreckend, da dort sehr viele Menschen leben und Tiere und Wasser des Amazonas in die Nahrungskette eingehen. Doch wer glaubt, dass uns das nicht trifft, der irrt. Auch unsere Umwelt ist stark mit Quecksilber belastet: Um Kohlekraftwerke herum sammelt es sich an, da es durch die Verbrennung der Kohle in die Luft gelangt und sich von dort aus in der Umwelt niederschlägt.

Dass man heute die Verwendung und Freisetzung des Quecksilbers verbieten möchte, ist allein anhand dieser beiden Beispiele nachvollziehbar. Dass es aber große Ausnahmen geben muss, steht ebenfalls schon fest. Wer erinnert sich noch an das Verbot der Glühbirnen? Und an die Begründung? Glühbirnen verbrauchen viel Strom. Okay, allein die Energieineffizienz der Glühbirne ist schon Grund genug für ein Verbot. Doch abgesehen davon kommt der Strom oft aus Kohlekraftwerken. Und dort gelangt Quecksilber in die Umgebung. Die Alternative zur Glühbirne war schnell parat, nämlich die Energiesparlampe auf Basis von Quecksilber. Und so eine Energiesparlampe darf bis zu 5 mg Quecksilber enthalten. Uff. Wenn jetzt die Glühbirne verboten ist und Quecksilber verboten werden soll, was machen wir denn da? Zunächst mal klarstellen, dass das Quecksilber nicht einfach so mir nichts, dir nichts, ersetzt werden kann, ohne die Kosten- und Energieeffizienz einzubüßen. Die Antwort ist so simpel wie auf den ersten Blick nicht zufriedenstellend: Man drückt ein Auge zu und lässt die Energiesparlampe. Hämische Kommentare muss diese Lösung aber trotzdem nicht fürchten. Denn stellt man die Glühbirne und die Energiesparlampe gegenüber, so entsteht durch die Energiesparlampe, sogar wenn sie zerbricht, weniger Quecksilber als durch eine gewöhnliche Glühbirne. Das liegt daran, dass die Energiesparlampen zum einen erheblich weniger Strom verbrauchen (ergo es wird weniger Quecksilber durch Kohlekraftwerke freigesetzt) und zum anderen erheblich langlebiger sind (ergo wird in einem längeren Zeitraum insgesamt weniger Quecksilber für die Nutzung benötigt). Außerdem kann man das Quecksilber einer intakten Energiesparlampe wiederverwenden, was nur für die Quecksilberbilanz spricht. (Übrigens dürfen aus genau diesem Grund nicht funktionierende und/ oder kaputte Energiesparlampen nicht in den Restmüll! Sie müssen gesondert entsorgt werden, damit sie zum einen wiederverwertet werden können und zum anderen beim Mülltransport nicht zerbrechen und das Quecksilber die Leute, die mit der Müllentsorgung beauftragt sind, gefährdet.)

Das Quecksilberthermometer ist in der EU übrigens schon seit 2009 verboten und darf weder eingeführt noch hergestellt werden. Hier kann das Quecksilber aber recht gut ersetzt werden und für einen Haushalt ist es allemal besser ein Thermometer, das kein Quecksilber enthält, zu verwenden. Denn dass die nicht aus Versehen zu Bruch gehen, kann niemand garantieren. Mein kleiner Bruder hat es auch mal geschafft, und es ist ihm einfach nur aus der Hand geglitten aus 40 cm Höhe auf einen Laminatboden.
Bild 2 Man kann es aber auch übertreiben...

(Übrigens wurde Quecksilber selbst früher tatsächlich als Heilmittel eingesetzt, gegen Syphilis zum Beispiel, außerdem war lange Zeit eine Organoquecksilberverbindung als Wunddesin-fektionsmittel im Einsatz, das Merbromin.)

4 Kommentare:

  1. Anonym ist voll der doofe Nickname. Ö__Ö Das ist so als ob ich einer Wand antworte.

    Und jup, Thiomersal ist auch eine Organoquecksilberverbindung.

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  2. Naja, vor allem ist Thiomersal totaaal giftig und deswegen darf es auch nirgends in Impfstoffe rein. Denn jeder weiß: sobald man auch die kleinste Menge Gift (Chemie®!) aufnimmt, fällt man tot um. Dosis-Wirkungs-Beziehung muss nicht interessieren.

    ;)

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  3. Ach so, darum geht es. Hmm... Ich stelle Organoquecksilber im Vergleich zu anderen Quecksilberverbindungen und allgemein dar. Es sollte nur ein Überblick und kein Lexikoneintrag sein (ich kann in einem Blogpost nicht alles erwähnen. Bei Interesse ist selbstständiges Recherchieren sicher vorteilhaft).

    Abgesehen davon ist Thiomersal tatsächlich giftig: R26/27/28, also giftig durch Inhalieren, Hautkontakt und Verschlucken, und steht schon seit geraumer Zeit in der Kritik, da es öfter allergieauslösend wirken kann. Selbstverständlich kommt es auf die Menge und den Kontext an (und ich bin davon ausgegangen, dass das klar ist - Paracelus kann irgendwie jeder zitieren). Merbromin wurde ja auch ewig eingesetzt - so weit ich weiß, meist auch ohne Probleme, bis man auf die Idee gekommen ist, dass es vielleicht noch anderes zu beachten gibt. Ausgerechnet die Organoquecksilberverbindungen bergen schließlich deshalb Gefahren, da unser Körper sie gerne absorbiert, nur schwer wieder loswird und stattdessen ansammelt. Das ist alles, was ich damit sagen wollte, eine bestimmte Verbindung hatte ich dabei nicht gemeint.

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